Energie neu denken – vor Ort gestalten
Hohe Strompreise beschäftigen viele Haushalte und Betriebe in Selb.
Oft wird dabei auf internationale Krisen oder Entscheidungen in Berlin verwiesen. Doch ein wesentlicher Teil der Preisbildung entsteht direkt im Stromsystem selbst.
Genau hier setzt Patrick Zeidler an. Er bringt die Idee ein, das vorhandene Energiesystem intelligenter zu nutzen – mit einem klaren kommunalen Ansatz.
Das Problem: Strom ist nicht grundsätzlich knapp
Der Strompreis an der Börse entsteht nach dem sogenannten Merit-Order-Prinzip.
Das jeweils teuerste Kraftwerk, das zur Deckung der Nachfrage noch benötigt wird, bestimmt den Preis für alle. In vielen Stunden sind das Gas- oder Kohlekraftwerke.
Gleichzeitig wächst der Anteil erneuerbarer Energien. An sonnigen und windreichen Tagen wird häufig mehr Strom erzeugt, als gleichzeitig verbraucht werden kann. Es kommt zu starken Preisschwankungen – teilweise sogar zu negativen Strompreisen an der Börse.
Im vergangenen Jahr gab es in Deutschland über 500 Stunden mit negativen Strompreisen. Die Tendenz ist steigend. Es waren deutlich mehr Stunden als im Vorjahr. Mit dem weiteren Ausbau von Wind- und Solarenergie wird dieser Effekt häufiger auftreten.
Das bedeutet:
Strom ist nicht grundsätzlich knapp. Er ist zu bestimmten Zeiten im Überschuss vorhanden und zu anderen Zeiten nicht ausreichend verfügbar. Die Herausforderung liegt im intelligenten Zwischenspeicher.
Die Idee: Elektroautos als Teil der Lösung
Moderne Elektrofahrzeuge verfügen über Batterien mit 40 bis 60 Kilowattstunden Speicherkapazität. Zum Vergleich: Ein Vier-Personen-Haushalt benötigt durchschnittlich 10 bis 15 Kilowattstunden pro Tag.
Das zeigt: Bereits heute steht auf unseren Straßen ein erhebliches Speicherpotenzial. Der Kuchen wird also größer und dieses System kann sukzessive erweitert werden. Die Zulassungszahlen von Elektroautos steigen kontinuierlich. Elektromobilität entwickelt sich zunehmend zum Standard. Damit wächst auch das dezentrale Speicherpotenzial.
Der Vorschlag lautet:
Elektroautos gezielt dann laden, wenn viel günstiger erneuerbarer Strom im Netz ist Fahrzeuge bei Bedarf Strom zurückgeben lassen – entweder ins eigene Haus oder ins Netz
viele Fahrzeuge zu einem dezentralen Speicherverbund zusammenführen
Dieses sogenannte bidirektionale Laden kann:
Lastspitzen abfedern
Netze stabilisieren
teure Spitzenkraftwerke reduzieren
perspektivisch Stromkosten senken.
Warum Selb gute Voraussetzungen hat
Selb verfügt bereits über mehr als 50 öffentliche Ladepunkte. Diese Infrastruktur ist eine solide Basis.
Ein wichtiger erster Schritt auf dem Weg zu einem intelligenten Energiesystem ist der Smart Meter-Rollout.
Smart Meter erfassen Verbrauch und Einspeisung digital und in kurzen Intervallen. Sie sind Voraussetzung für dynamische Tarife, netzdienliches Laden und die intelligente Steuerung von Speichern.
Im Netzgebiet Selb-Marktredwitz ist unser kommunaler Energieversorger ESM als grundzuständiger Messstellenbetreiber für den Einbau und Betrieb intelligenter Messsysteme verantwortlich. Damit liegt ein zentraler Hebel der Energiewende direkt in kommunaler Hand.
Kommunale Energiepolitik bedeutet: gestalten statt abwarten.
Energiepolitik ist Standortpolitik
Stabile und wettbewerbsfähige Strompreise sind ein zentraler Standortfaktor für:
Industrie und Handwerk
Vereine
private Haushalte
Gerade für eine Stadt wie Selb ist Netzstabilität ein wirtschaftliches Zukunftsthema.
Elektromobilität wird dabei nicht nur als Verkehrsthema verstanden, sondern als Baustein eines modernen Energiesystems.
Der Anspruch
Als Oberbürgermeister möchte Patrick Zeidler Innovation frühzeitig prüfen, vorhandene Handlungsspielräume nutzen und Selb als modernen Energiestandort positionieren.
Nicht nur reagieren – sondern vor Ort Verantwortung übernehmen.
Fahrzeuge, die nicht fahren, können energetisch für Selb arbeiten.
Selb kommt.
Artikel in der Frankenpost vom 30.01.2026:
E-Autos als Batterien für mehr Netzsicherheit in Selb