Die SPD-Fraktion setzt sich mit einem Antrag im Stadtrat für eine umfassende Weiterentwicklung des Selber Hallenbades ein. Hintergrund ist das aktuelle Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten – Schwimmbäder“, das Kommunen die Möglichkeit eröffnet, erhebliche Fördermittel für die Modernisierung ihrer Bäder zu erhalten. „Das Zeitfenster für die Interessenbekundung ist sehr kurz. Deshalb müssen wir jetzt handeln, wenn wir diese Chance für Selb nutzen wollen“, betont der neu gewählte SPD-Stadtrat Patrick Zeidler.
Neben der energetischen Sanierung und der Steigerung der Energieeffizienz des Gebäudes liegt ein zentraler Schwerpunkt des Antrags auf der Verbesserung der Barrierefreiheit. Rückmeldungen aus der Praxis sowie aus dem Sportbereich zeigen, dass das Hallenbad aktuell in vielen Bereichen nicht den Anforderungen einer inklusiven Nutzung gerecht wird.
Marcus Kropf, stellvertretender Vorsitzender des Stadtsportverbandes Selb, bestätigt diese Einschätzung. Zwar sei das Hallenbad formal als Sportbad eingestuft und erfülle damit die Mindestanforderungen. In der Praxis bedeute dies jedoch, dass ein selbstständiger Zugang für viele Menschen nicht möglich sei und häufig Unterstützung durch Personal erforderlich werde.
Zusätzliche Hinweise aus der Praxis liefert Melanie Graf, die als ehrenamtliche Schwimmausbilderin regelmäßig vor Ort ist. Sie schildert, dass das Hallenbad „definitiv nicht barrierefrei und für Rollstuhlfahrer nur eingeschränkt geeignet“ sei. Bereits der Zugang beginne mit Problemen, etwa durch zu schmale Gehwege und unzureichende Erreichbarkeit. Im Inneren setzen sich die Barrieren fort: keine automatischen Türsysteme im Eingangsbereich und im Bad, Zugang nur über Drehkreuz, alternative Tür nur mit Personal nutzbar. Zu enge und verwinkelte Umkleiden, Gänge und Sanitärbereiche, keine behindertengerechte Toilette und Dusche, kein Lifter für einen selbstbestimmten Zugang zum Becken: „Viele der bestehenden Lösungen funktionieren nur mit Unterstützung durch das Personal. Ein selbstbestimmter Zugang ist in der Praxis kaum möglich“, so die zusammengefasste Einschätzung aus dem Nutzungsalltag. Fraktionsvorsitzender Walter Wejmelka: „Wir hätten hier die Chance, Maßnahmen in Richtung Barrierefreiheit jetzt gefördert zu bekommen, die mittelfristig ohnehin auf uns zukommen würden."
Neben dem Setzen des Schwerpunktes im Antrag auf Barrierefreiheit sieht die SPD auch noch weitere Perspektiven für die Weiterentwicklung. Die im Stadtrat schon mehrfach, teilweise kontrovers diskutierte Außenöffnung des Bades in Richtung Rosenthal-Park könnte unter Umständen in diesem Zusammenhang ein Thema werden. Das Förderprogramm sei eine Gelegenheit, das Hallenbad nicht nur zu erhalten, sondern perspektivisch weiterzudenken. Es stelle bundesweit erhebliche Mittel zur Verfügung, die Förderquote könne je nach Haushaltslage bis zu 75 Prozent betragen. Angesichts der aktuell angespannten finanziellen Situation der Stadt Selb bestehe die realistische Möglichkeit, einen entsprechend hohen Fördersatz zu erreichen. „Wenn wir jetzt nicht vorab handeln und es versuchen, ist die Chance für Selb vertan. Wenn wir uns bewerben, gewinnen wir Zeit und Handlungsspielraum für die weitere Planung“, so Patrick Zeidler abschließend.
Die SPD wird den Antrag in die nächste Stadtratssitzung am 28. April einbringen und für eine breite Unterstützung werben.