Intelligente Nutzung der Trinkwasserhochbehälter als flexible Energiespeicher zur Senkung der Stromkosten

25. Oktober 2026

Patrick Zeidler vor dem Trinkwasserhochbehälter "Karrenbühl" bei Oberweißenbach
Patrick Zeidler vor dem Trinkwasserhochbehälter "Karrenbühl" bei Selb/Oberweißenbach

Link zum Video: Ein Statement von Patrick Zeidler (Stadt- und Kreisrat SPD Selb) zum Thema "Intelligente Nutzung der Trinkwasserhochbeälter"

Diesen Antrag stellt die SPD-Stadtratsfraktion Selb zur Stadtratssitzung am Mittwoch, 28. Oktober 2026:

Beschlussvorschlag

  1. Der Stadtrat der Großen Kreisstadt Selb spricht sich dafür aus, die bestehenden Trinkwasserhochbehälter der Energieversorgung Selb-Marktredwitz GmbH (ESM) künftig verstärkt als flexible Energiespeicher zu nutzen.

  2. Der Oberbürgermeister wird beauftragt, in seiner Funktion als Vorsitzender des Aufsichtsrats der ESM darauf hinzuwirken, dass die Geschäftsführung eine Wirtschaftlichkeitsprüfung zur intelligenten, strompreisabhängigen Steuerung der Trinkwasserpumpen durchführt. Dabei soll untersucht werden, inwieweit die vorhandenen Trinkwasserpumpen durch eine intelligente, strompreisabhängige Steuerung künftig bevorzugt zu Zeiten niedriger Strompreise betrieben werden können.

  3. Die Prüfung soll insbesondere den bisherigen Stromverbrauch der Wasserförderung, die vorhandenen Speicherkapazitäten, die technischen Voraussetzungen, mögliche Investitionskosten sowie das jährliche Einsparpotenzial berücksichtigen. Ebenso sollen die Nutzung dynamischer Stromtarife und die Einbindung regional erzeugter erneuerbarer Energien untersucht werden.

  4. Der Oberbürgermeister wird beauftragt, dem Stadtrat über die Ergebnisse der Wirtschaftlichkeitsprüfung zu berichten.

  5. Bei einem positiven Prüfergebnis soll der Oberbürgermeister im Aufsichtsrat der ESM darauf hinwirken, dass die Umsetzung eines Pilotprojekts an einem geeigneten Standort initiiert wird.

Begründung

Die Energiewende stellt Kommunen und kommunale Versorgungsunternehmen vor neue Herausforderungen. Gleichzeitig entstehen durch stark schwankende Strompreise neue Möglichkeiten, bestehende Infrastruktur wirtschaftlicher und effizienter zu betreiben. Andere Kommunen zeigen bereits, dass sich durch eine intelligente, strompreisabhängige Steuerung der Trinkwasserpumpen erhebliche Einsparpotenziale erschließen lassen.

Das Prinzip ist einfach: Bei niedrigen Börsenstrompreisen wird Wasser in die vorhandenen Hochbehälter gepumpt. Bei hohen Strompreisen können die Pumpen weitgehend ruhen, während die Versorgung aus den gefüllten Hochbehältern erfolgt.

Praxisbeispiele zeigen, dass sich die hierfür notwendigen Investitionen bereits innerhalb eines Betriebsjahres amortisieren können.

Auch die ESM verfügt über hervorragende Voraussetzungen, um die Wirtschaftlichkeit einer solchen Betriebsoptimierung zu prüfen. Die Energieversorgung Selb-Marktredwitz GmbH betreibt in ihrem Trinkwasserversorgungsgebiet insgesamt elf Hochbehälter mit einem Fassungsvermögen von rund sieben Millionen Litern. Das Trinkwasser wird aus 16 Brunnen und Quellen gewonnen, in vier Wasserwerken aufbereitet und über ein weit verzweigtes Leitungsnetz verteilt. Jährlich werden rund eine Million Kubikmeter Trinkwasser gefördert. Die ESM versorgt damit rund 10.000 Haushalte sowie Gewerbebetriebe in Selb, Schirnding und Hohenberg.

Die durchschnittliche tägliche Trinkwassermenge beträgt damit rechnerisch rund 2.740 Kubikmeter beziehungsweise 2,74 Millionen Liter. Das gesamte Speichervolumen der elf Hochbehälter entspricht somit rechnerisch etwa dem 2,6-Fachen der durchschnittlichen täglichen Trinkwassermenge im Versorgungsgebiet. Auch wenn nicht das gesamte Speichervolumen für eine flexible Pumpensteuerung zur Verfügung steht und die einzelnen Hochbehälter unterschiedlichen Versorgungsbereichen zugeordnet sind, verdeutlichen diese Zahlen das grundsätzlich vorhandene Potenzial.

Die notwendige Speicherinfrastruktur ist somit bereits vorhanden. Es geht nicht um den Bau zusätzlicher Speicheranlagen, sondern darum, die bestehenden Anlagen durch moderne Steuerungstechnik wirtschaftlicher und intelligenter zu nutzen.

Die ESM hat in den vergangenen fünf Jahren über acht Millionen Euro in die Sanierung, Erneuerung und Unterhaltung ihrer Trinkwasseranlagen und Leitungen investiert. Eine intelligente Pumpensteuerung könnte diese Modernisierung sinnvoll ergänzen.

Dabei steht die Sicherheit der Trinkwasserversorgung selbstverständlich an erster Stelle. Erforderliche Mindestfüllstände, hygienische Anforderungen, Löschwasserreserven und technische Betriebsgrenzen müssen jederzeit eingehalten werden.

Neben möglichen Einsparungen bei den Stromkosten könnte eine flexible Steuerung auch dazu beitragen, erneuerbare Energien besser in das Stromsystem zu integrieren. Gerade bei hoher Stromerzeugung aus Sonne und Wind entstehen zunehmend Zeiträume mit besonders niedrigen oder sogar negativen Börsenstrompreisen. Durch eine gezielte Verlagerung des Pumpbetriebs könnten solche Zeiträume wirtschaftlich genutzt werden.

Aus Sicht der SPD-Stadtratsfraktion bietet sich hier die Möglichkeit, bestehende kommunale Infrastruktur effizienter zu nutzen, laufende Betriebskosten zu senken und gleichzeitig einen konkreten Beitrag zur Energiewende zu leisten.

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